TV TODAY


von Angelika Berg
 
 

Ich halte den Ball lieber flach: Don´t believe the hype! Man darf Erfolg nicht zu ernst nahmen, weil´s morgen wieder ganz anders aussehen kann.
Den Rummel machen ja die Anderen. Man selbst kann nur weiter seinen Weg gehen.

Wie haben Sie denn den Hype erlebt, der ´95 mit dem Erfolg Ihrer Teenie-Serie "Und Tschüss!" begann?

Damals war wirklich die Hölle los. Da bekam ich waschkörbeweise Fanpost, wirklich Waschkörbeweise!

Von ganz jungen Mädchen?

Ja. Oder maschinell erstellte Schreiben von professionellen Sammlern: "Sehr geehrter Herr Fürmann, in meiner Sammlung von Deutschlands großartigsten Leinwandkünstlern fehlt mir noch Ihr persönliches Autogramm..."

Und heute?

Seltsam, heute erkennen mich weniger Leute als damals. Vielleicht habe ich meinen Zenit längst überschritten. Wir sollten das Interview lieber abbrechen. Bis der Film gesendet wird, kennt mich wahrscheinlich kein Schwein mehr.

Bubi Scholz kennt von den jungen Leuten heute sicher auch keiner mehr. Aber in den 50er und 60er Jahren war er ein Idol. Hatten Sie auch mal ein Idol?

Idolisierung finde ich furchtbar. In meinem Leben gab es zwar immer Menschen, zu denen ich aufgeschaut habe. Abe Idole sind so eine oberflächliche, übertriebene Anbetung, die nur von der eigentlichen Person ablenkt. So einer Idealisierung kann man selbst garnicht standhalten.

Wer waren denn Ihre Vorbilder?

Ganz früh war das mein Vater.. Und dann Che Guevera, Muhammad Ali...

Bunte Mischung. In Bubi Scholz Story steht Bubi vor dem Spiegel und übt Boxerposen, bis ihn sein Vater erwischt und ihm eine scheuert: Haben Sie früher auch so was gemacht?

Na klar, das machen doch alle Kinder. Da liegt ´ne Schnur und plötzlich hat man die in der Hand, und das ist das Mikro-Kabel, und man steht auf der Bühne, und die Milionen jubeln einem zu. Ich war Meister im Luftgitarre spielen.

Luftgitarre?

Das heißt: keine Gitarre, nicht mal ein Badmintonschläger. man geht in die Knie, schmeißt sich auf den Boden und bearbeitet eine imaginäre Gitarre. Und dann kommt jemand rein, und es ist einem total peinlich. Und man tut so, als würde man was suchen, was einem runtergefallen ist.

Und dabei haben Sie dann davon geträumt, auch mal so ein toller Held zu werden oder wenigstens einen zu spielen?

So konkret weiß ich das nicht mehr. Aber unterbewußt bestimmt. Klar will man so sein wie der Held. Groß und stark. Und genau das Richtige sagen zur richtigen Zeit. Und die Angebetete reagiert dann natürlich auch genau richtig. Man küßt sie, haut den Rivalen noch eine rein und läuft mit ihr in Richtung Horizont. Ich meine, sonst hätten diese Filme ja nicht so einen Erfolg, wenn das System nicht funktionieren würde. Aber eigentlich wollte ich Schauspieler werden, weil da ganz viel Gefühl in mir war, und das mußte irgendwo hin. Als Schauspieler kann man das alles rauslassen... Jetzt muß ich aufpassen. Dieses Schauspielergequatsche klingt immer so pathetisch.

Der Traum hat sich für Sie erfüllt. Sie haben jede Menge taffer Typen und Halbstarke gespielt. Entsprach das Ihrem Lebensgefühl, oder haben Sie daraus auch Selbstbestätigung gezogen?

Sicher hab´ ich früher versucht, meine Grenzen auszuloten. Mit ´ner unheimlichen Portion Lebenslust, die im Bauch rumorte. Damals lief ich mit langen Haaren, Nietenjacke und Ringen am Finger rum. Da hat man schon noch extremere Lebensformen und sich selber ausprobiert. Ich weiß nicht, ob ich deshalb soclhe Rollen angeboten bekommen habe. Aber definiert habe ich mich dadurch nicht.

In einem früheren Interview haben Sie geäußert, daß Sie auch endlich mal einen unsicheren Typen spielen wollten. Waren Sie so festgelegt?

Ja, nach "Und Tschüss!" habe ich auf einmal nur noch Rollen angeboten bekommen, in denen ich unheimlich Gas geben mußte. Und da die Serie sich um Autos drehte, war vom Kfz-Mechaniker bis zum Formel-1 Fahrer alles dabei. Auf einmal war ich Car-Actor. Das war einfach zu eindimensional. Ich wollte mal was Konträres zeigen, einen der selbst zusammengeschlagen wird und leidet.

Der Assi von "Sperling" ging in diese Richtung. Und im "Eisbär" sind Sie auch nicht gerade der reinrassige Macho-Typ.

Da bin ich glücklicherweise nicht taff, sondern so´n selbsterkorener Frauenaufreißer, der keine Frau näher als aus zwei Meter Entfernung zu sehen bekommt. Weil er immer den entscheidenden Satz zuviel sagt. Ein lebenslustiger, naiver Volltrottel.

Und was spielen Sie in Ihren kommenden Filmen, in Caroline Links Remake von "Pünktchen und Anton" und in "St. Pauli Nacht" von Sönke Wortmann?

In "Pünktchen und Anton" spiele ich ein richtiges Arschloch. Arschlöcher spielen macht immer Spaß. Und in "St. Pauli Nacht", den wir grade noch drehen, bin ichein Ex-Knacki, der versucht, solide zu werden.

Lassen Sie sich für die Rolle diesen Dreitagebart stehen?

Das hat neulich ´ne Kollegin von Ihnen geschrieben: Benno Fürmann sitzt mir gegenüber mit einem Dreitagebart. Da hatte ich mich sieben Wochen nicht rasiert. Bei mir wächst einfach nicht mehr. Das ist alles, was ich zu bieten habe.

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