PRINZ:
Habt ihr eigentlich
Alpträume? Wär' ja kein Wunder, wenn
man wochenlang mit Leichen dreht - selbst wenn sie bloß künstlich
waren.
Benno
Fürmann: Im Gegenteil, ich habe noch nie so gut geschlafen.
Schließlich wurden jede Menge Phantasien befriedigt.
Was
hast du denn für Phantasien?
Benno:
Da
will ich jetzt nicht weiter drauf eingehen
Franka
Potente: Also, ich habe nicht so richtig gut ge schlafen. Aber
ich bin eh jemand der zur Sicherheit unters Bett guckt. Während der
Dreharbeiter hatte ich eine Wohnung mit Fenstern zum Innenhof. Im Schlaf
zimmer waren weiße Vorhänge, davor ragten Zweige ins Fenster,
und der Hof war nachts beleuchtet. Das war manchmal schon gruselig, vor
allem, wenn die ÄstE bei Wind auch noch knarrten.
Benno:
(flüstert
diabolisch) Das war ich...
Franka:
(ignoriert
ihn) Wir hatten beim Drehen ständig mit Kunstblut zu tun. Das sieht
irre echt aus. Außerdem habe ich abends immer meine ganzen Grusel-Soundtracks
gehört Halloween Psycho"...
Benno:
Du
gibst es dir ja so richtig. Weißt du, manch mal bin ich nachts zu
dir in die Wohnung geschlichen und habe vor deinem Bett gestanden. (Zitiert
seinen Drehbuchtext) ,,Du sahst so süß aus, wie du geschlafen
hast, meine kleine Prinzessin.
Franka:
Ja,
man muss aufpassen, dass man nichts kaputtachneidet. Gewebe, Häutchen
werden vorsichtig mit der Pinzette entfernt, und das Ziel ist, alles sauber
zu machen, herauszuarbeiten, bis man ein fertiges Exponat hat. Das ist
sehr filigran, eine unheimlich akribische Arbeit. Darin liegt eine große
Faszination und Ästhetik.
Benno:
Der
ganze anatomische Bereich dreht sich ja um die Faszination des Körpers.
Und der menschliche Körper ist einfach ein ästhetisches Wunderwerk.
Wahn Schönheit ist wichtiger als das, was man in der kurzen Zeitspanne
zwischen Geburt und Tod sieht. Also ist es völlig legitim, sie zu
Anschauungszwecken zu konservieren und für die Nachwelt, für
die Ewigkeit zu erhalten
Franka:
Und
ich habe mich gewundert, dass immer so ein komischer Geruch im Zimmer lag,
wenn ich aufgewacht bin. Formaldehyd oder so.
Wart
ihr zur Rollenvorbereitung In der Pathologie?
Benno:
Ich
war in München in der Anatomie und habe mir dort einen Vortrag über
die Ursprünge und Entwicklungen der Forschung auf dem Gebiet der Anatomie
angehört. Seziert haben wir auch: Wir haben Schweine auseinandergenommen.
Franka:
Ich
war mal in der Oharit in Berlin, aber nicht in der Pathologie. Mit meiner
Filmpartnerin Anna Loos zusammen habe ich mich ein paar Mal mit einem Arzt
ge troffen. Gemeinsam haben wir Filmdokumentationen über das Thema
angeschaut, und er hat uns vieles erklärt.
Franka:
Es
gab diese Wanderausstellung von Gunther von Hagens, nach dessen Exponaten
die Mc delle im Film entstanden sind. Er hat echte Menschen präpariert,
die ihre Einwilligung gegeben haben. Die konnte man sich ansehen, zusammen
mit Hunderten Besuchern im Museum. Und jetzt stell dir vor. da steh irgendwo
dein Vater... Das fände ich schrecklich.
Könnt
ihr die erotische Faszination nachvoll ziehen, die Leichen im Film auf
Hein ausüben?
Franka:
Bei
der Sektion von Leichen werden nicht immer Latex-Handschuhe getragen Man
fasst die Haut an intimsten Stellen an, arbeitet sich durchs Fettgewebe
vor, um die Organe freizulegen...
Benno:
(ironisch)
Wahnsinnig ästhetisch!
Und dann
habe ich ein Huhn zum Sezieren gekauft... Bann.: Ein Bio-Huhn!
Franka:
Das
war irre teuer! Damals war ich noch Vegetarierin und habe nie Fleisch gekauft.
Ich dachte, n, ja, vielleicht kostet so was halt 1 ~ Mark. Ich habe ein
fach auf eins gezeigt und gesagt: ,,Dieses da! Und das haben wir dann seziert,
damit wir den Umgang mit den Instrumenten ein wenig lernen.
Benno,
ist es eigentlich besonders spannend oder schwierig, mal so ein richtig
gemeines, mörderisches Schwein zu spielen?
Benno:
Wer
ist schon richtig gemein? Wer ist schon richtig nett?
Franka:
Na,
du bist toll gemein!
Benno:
Meinst
du jetzt etwa privat, hm? Also, jede
nicht?
Aus der Distanz sieht die Antwort anders aus, als wenn man persönlich
betroffen ist. Ich denke, man macht dann verschiedene Stadien durch. Am
Anfang würde man sagen: nein, auf keinen Fall! Aber wenn man über
längere Zeit mitkriegt, wie jemand leidet, dass er nicht mehr aufwachen
wird, dann könnte ich mir vorstellen, dass man sagt: Ich kann es nicht
mehr mit ansehen. AbE das ist ein sehr schmaler Grat.
Benno:
Also,
ich würde das Messer nicht in die Hand nehmen - selbst wenn ich dazu
in der Lage wäre. Weil ich nicht das Recht habe. Oder würdest
du das tun
Franka:
Um
Gottes Willen, nein! Aber ich finde Forschung eben auch unerlässlich.
Gerade bei Aids ode Krebs ist es total wichtig, dass man weiterkommt.
Würdet
ihr eure Körper nach eurem Tod für Forschungszwecke zur Verfügung
stellen?
Benno:
Eigentlich
ist es mir ziemlich egal, was mit meiner Hülle passiert, wenn ich
sterbe.
Rolle
muss ich erst mal begreifen, bevor ich sie spielen kann. Und der Hein,
den ich spiele, hat schon neurotischere Tendenzen als Otto Normalverbraucher.
Franka:
Ich
würde auch gern mal so jemanden spielen. Ich habe schon öfter
gehört, dass Menschen den Alb
n- traum
haben, jemanden umzubringen. Das heißt natürlich nicht, dass
sie es auch wirklich tun wollen. Aber das dann zu spielen ist bestimmt
faszinierend.
Benno:
Jeder
von uns hat ja schon mal so richtigen
Hass
auf einen anderen Menschen gehabt - selbstverständlich nicht mit der
Konsequenz, ihn dann um zubringen. Aber in unserem Job geht es ja genau
darum, den Faden einfach mal weiterzuspinnen, sich die Freiheit zu nehmen,
das eine oder andere auszuleben.
Könnt
ihr euch Umstände vorstellen, die es rechtfertigen, zu Forschungszwecken
menschliche Leben nicht zu erhalten, sondern zu nehmen?
Franka:
Das
finde ich total schwierig Der klassische Fall ist ja zum Beispiel der 90-jährige
Mann, der seit Jahren im Koma liegt. Soll man die Geräte abstellen
oder?