Du hast in den USA die Lee-Strassberg Schule besucht und bist ein vielschichtiger Schauspieler. Trotzdem wirst Du immer noch mit der Serie "Und Tschüss" in Verbindung gebracht. Stört Dich das?
Nein damit kann ich gut leben. Ein Großteil der Leute, die mich auf der Straße ansprechen und Autogramme wollen, machen das bestimmt wegen "Und Tschüss" Die Serie hatte hohe Einschaltquoten. Wenn du 13 Mal in einer Serie spielst und zwei TV-Specials dazu drehst, hast du eine andere Präsenz als in drei Fernsehfilmen, wo du jedesmal eine andere Role spielst.
Mit welchem Klischee von Dir kannst du denn nicht leben?
Momentan sehe ich gar kein Klischee. Früher ja. Ich kenne das noch von damals. Damals - weil ich ja so schrecklich alt bin...
Schrecklich alt, klar. Benno, erzähl uns mal vom Krieg!
Es war hart.
Und du bist auch drei Tage unter Wasser marschiert. In BErlin gab´s nur...
...Zuckerrüben. Das kannst du dir nicht vorstellen, was damals los war. Hier stand gar nichts mehr. Da war nur ein Apfelbaum.
Jetzt mal zurück in die Gegenwart. Was ist das Schönste außer Schauspielern?
Da gibt es ganz verschiedene Sachen, die man unter dem pathetischen Sammelbegriff "Leben" zusammenfassen kann.
Kann man leben, wenn man dreht?
Das Leben beim Dreh ist sicherlich losgelöst vom "normalen" Leben. Weil man dann nur für diesen Film, für diese Rolle lebt. Während des Drehzeitraums ist alles für dich geplant. Das Hotel ist gebucht, der Fahrer holt dich um soundsoviel Uhr ab, du drehst jeden Tag die Szenen. Du wirst nach Hause gefahren. Du unterliegst einem genauen Plan. Deswegen reise ich auch so gern, weil das so ein Chaos ist.
Nach einem Dreh fährst Du also einfach los?
Ja, das ist dieser krasse Gegenpol, den ich mag. Ich buche nie das Hotel. Das Ziel überlege ich mir erst ein bis zwei Wochen vorher. Ich such mir halt nen Ort, der mich interessiert. Ich komme an, aaklimatisiere mich und dann gehts los. Das ist die größtmögliche Freiheit, die ich mir vorstellen kann: Ich kann dableiben oder in jede Himmelsrichtung fahren. Ich kann mich zurückziehen, ich kann mit Leuten kommunizieren, ich kann tun und lassen, was ich will. Und was bis zum Abend passiert, das weiß ich nicht. Es gibt keinen Plan.
Du sollst leidenschaftlicher Tauche sein..
Ja. Du schwebst im Wasser. Du hängst in diesem Riesenblau. Du tauchst über den Meeresgrund. Siehst einen Stein. Atmest ein, schwebst über den Stein, lässt dich zu Boden gleiten. Der Druck unter Wasser ist spannend. Da bist Du in einer Tiefe, wo du normalerweise nicht hinkommst. Es sei denn, du lebst in Polynesien, und dein Vater und dein Großvater waren Perlentaucher, und du bist auch Perlentaucher.
Wieviele Monate im Jahr Urlaub im Jahr gönnst du dir?
Das kann ich pauschal nicht sagen. Manchmal komme ich einfach an einen Punkt, wo ich weiß, ich muss raus, weg an einen fremden Ort, in ein fremdes Leben. Ich brauche diese Auszeiten.
Du hast schon viele Städte auf der Welt gesehen. Könntest du dir vorstellen woanders als in Berlin zu leben?
Sicher. Berlin ist aber schon ein Stück heimat für mich. Dadurch, dass ich mir die anderen Sachen so gerne angucke, ist es ein guter Ort zum Zurückkommen. Aber schon auf der nächsten Reise könnte ich denken: Hier hast du lust, ein bisschen länger zu bleiben. Ein Jahr, zwei oder drei. Oder nur ein paar Monate. Ich habe ja die Freiheit, morgen zu gehen.
Moment - du hast aber doch einen Beruf..
Ich kann ja gehen und zurückkommen. Wenn ich wüsste, die nächsten 50 Jahre gehe ich dieser Beschäftigung nach, hätte ich wahnsinnige Probleme. Mein Vertrag, meine Zugeständnisse gelten für einen Film. Das sind höchstens drei Monate. Danach werden die Karten neu gemischt. Und das gibt mir ein wahnsinnige gutes Gefühl.
Wenn du dir das Paradies auf Erden vorstellst, wie sieht das aus?
Das Paradies ist Realität. Ich komme immer wieder an Ort, die ich so atemberaubend schön finde, dass ich denke: hier ist es. Eigentlich haben wir das Paradies nie verlassen. Bloß was wir daraus machen, ist eine andere Sache. Das Paradies zu sehen, das passiert mir am laufenden Band, eigentlich auf jeder Reise.
Du warst doch auch schon über ein Jahr in Amerika...?
1992. Da bin ich für etwa 16 Monate rüber gegangen.
Mit 19 in Amerika zu sein, hat so seine Tücken...
Welche denn..?
Du kannst dir erst mit 21 in einer Bar ein Bier bestellen. Vorher kriegst du nichts!
Genau!
Bist du damals allein durch Amerika gefahren?
Ja, ich hab mir für 500 Dolar einen Plymouth Roadrunner gekauft, in Goldmetallic. So ein "Starskey & Hutch"- Teil. Meine gesamte Kohle ist für reperaturen draufgegangen: Zum schluss habe ich nur noch Toastbrot und Wurst zum drauflegen gekauft. Das wars dann mit der Nahrungsaufnahme.
Bist du in Amerika erwachsen geworden?
Ich glaube du pubertierst dein ganzes Leben lang. Vielleicht wirst du ruhiger, aber du hast immer noch nicht alle Fragen für dich beantwortet. Solange die nicht beantwortet sind, solange bewegst du dich auch. Und das ist gut so.
Bewegung ist Leben für Dich?
Auf jeden Fall. Ich will nicht stagnieren und nur eine Sache machen. Ein Schauspieler lebt davon, dass er dir Sachen vom Leben aufzeigt. Wie willst du das machen, wenn du dein eigenes Leben nicht auskostetst?